Den Garten fit für den Winter machen

 

Helfen Sie Wildbiene, Igel und Eidechse mit einem naturnahen Garten – Maßnahmen gegen das Insektensterben und für mehr Artenvielfalt vor der Haustür

 

Im Herbst gibt es im Garten noch viel zu tun. Wenn der Boden schön feucht ist, können heimische Sträucher und Bäume gepflanzt, Nüsse, Äpfel und Quitten geerntet sowie Blumenzwiebeln gesteckt werden. „Wir sollten aber bei der ganzen Gartenarbeit auch an unsere tierischen Mitbewohner wie Wildbienen, Vögel und Reptilien denken, erklärt Frank Creutzburg, ein Insektenexperte des NABU Thüringen. „Nicht jeder Pflanzenstängel muss abgeschnitten werden. Zum Beispiel dienen Distel- und Königskerzenstängel Wildbienen als Überwinterungsquartier. Zudem bieten die Samenstände verblühter Stauden vielen Gartenvögeln Nahrung im Winter.“

Während Igel vor allem Gestrüpp, angehäufte Äste, Stroh- und Reisighaufen lieben, bevorzugen Eidechsen Trockenmauern und Steinhaufen. Entsprechende Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse, Wildbienen und andere Insekten können die Wohnungsnot dieser Tierarten ebenfalls lindern. „Dabei muss ein naturnah gestalteter Garten auch keinesfalls unaufgeräumt aussehen. Das Laub kann auf den Wegen zusammengefegt sein und stehengelassene Pflanzenstängel können im Winter durchaus ein attraktives Bild bieten“, so der NABU-Experte.

Ganz besonders schlimm findet Frank Creutzburg die anscheinend modern gewordenen sterilen Kiesgärten. Pingelig nebeneinander angeordnet und farblich untergliederte Kieselsteinflächen mit ein paar wenigen immergrünen Pflanzen oder Gräsern finden sich mittlerweile in vielen Vorgärten und im öffentlichen Raum. „In diesen Steinwüsten existiert kaum Leben. Mit der Förderung von Artenvielfalt hat dies nichts zu tun. Gegen das Insektensterben kann jeder in seinem Umfeld selbst etwas unternehmen. Was wir in unseren Gärten wirklich brauchen, sind heimische Sträucher, Bäume und Wildblumen“, sagt Frank Creutzburg. Durch die Evolution haben sich unsere Tierarten und die heimischen Sträucher einander angepasst. Die Früchte der Vogelkirsche werden zum Beispiel von 48 Vogelarten gefressen. Auch für viele Schmetterlingsarten sind heimische Gehölze sehr wichtig. Beispielsweise leben die Raupen des Zitronenfalters auf Kreuzdorn oder Faulbaum, die des Baumweißlings auf Apfel, Schlehe oder Weißdorn und die Raupen des Großen Schillerfalters werden auf der Grauweide satt. Als Wildsträucher für den naturnahen Garten empfiehlt der NABU Thüringen unter anderem Brombeere, Roten Hartriegel, Schwarzen Holunder, Kornelkirsche, Vogelbeere und Wildrose. Bei Wildblumen eignen sich Arten wie Schafgarbe, Margerite, Weiße Lichtnelke, Wiesenglockenblume, Kriechender Günsel und Rotklee. Und wer im Herbst Blumenzwiebeln in den Boden stecken möchte, der sollte besser auf geeignete Wildformen typischer Frühlingsblumen wie Märzenbecher und Blausterne zurückgreifen.

Der Herbst ist auch eine gute Zeit, um kleine Teiche anzulegen. Die Wasserflächen sind wichtig und ein Anziehungspunkt für zahlreiche Insektenarten, Frösche und Molche, die von dem Wasser abhängig sind. Bei sorgfältiger Planung und artenreicher Bepflanzung kann es schon bald vor schillernden Libellen und bunten Wasserkäfern nur so wimmeln.

Mehr Informationen unter: http://www.NABU-Thueringen.de

 

Weitere Hinweise

Tipps zum naturnahen Gärtnern im Herbst:

– abgeblühte Blütenstände als Winterquartier für Insekten sowie als Futter für Vögel stehen lassen

– Reisig und Laubhaufen für Igel und Co aufschichten

– Bäume und Sträucher pflanzen für Vögel und Insekten

– Wildformen von Blumenzwiebeln für Insekten stecken

– Trockensteinmauern und Steinhaufen für Eidechsen u.a. Tiere anlegen

– Wasserflächen für Libellen u.a. Tiere anlegen

– Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten bauen und aufhängen

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